Wenn der Job sinnlos wirkt: Was eine neue Pilotstudie über Hypnose zeigt
„Innerlich gekündigt" ist ein Begriff, den viele HR-Verantwortliche kennen: Mitarbeitende erledigen ihre Aufgaben, aber ohne das Gefühl, dass die Arbeit wirklich etwas bedeutet. Fehlendes sinnstiftendes Erleben gilt in der Forschung als einer der zentralen Treiber von geringem Engagement – und das wiederum als Risikofaktor für Erschöpfung und Fluktuation. Eine im Juli 2026 im International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis veröffentlichte Pilotstudie hat nun erstmals gezielt untersucht, ob Hypnose bei genau diesem Problem ansetzen kann.
Die Studie: klein, aber sauber kontrolliert
Ein Forschungsteam um Yunissa Meganingtyas führte eine randomisiert-kontrollierte Pilotstudie (RCT) mit 31 nicht-akademischen Mitarbeitenden durch, die zuvor ein geringes Engagement in ihrer Tätigkeit angegeben hatten. 16 Personen erhielten zwei Sitzungen mit sogenannter Hypnotic Guided Imagery (HGI) – einer Kombination aus Hypnose und geführter Vorstellungsarbeit –, 15 Personen führten stattdessen neutrale Gespräche als Kontrollgruppe.
Gemessen wurde mit zwei etablierten Fragebogen-Instrumenten: dem Work and Meaning Inventory (WAMI), das erfasst, wie sinnhaft Menschen ihre Arbeit erleben, und der Utrecht Work Engagement Scale (UWES-9) für das Engagement selbst.
Was die Ergebnisse zeigen – und was nicht
Beim sinnstiftenden Erleben (WAMI) zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied im Zeitverlauf zwischen Interventions- und Kontrollgruppe (p = .017), mit einer für eine Pilotstudie dieser Grösse bemerkenswert deutlichen Effektstärke. Zugelegt haben vor allem zwei Teilaspekte: das Gefühl, dass die eigene Arbeit einen positiven Wert hat, und die Fähigkeit, der eigenen Tätigkeit aktiv einen Sinn zuzuschreiben.
Beim Arbeitsengagement selbst bewegten sich die Werte in dieselbe, positive Richtung – der Unterschied zwischen den Gruppen erreichte hier aber keine statistische Signifikanz. Die Autor:innen selbst formulieren entsprechend vorsichtig: Die Studie liefere „erste Unterstützung" für Hypnose als reflektierendes Instrument zur Förderung von sinnstiftendem Arbeiten – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wichtig für die Einordnung: Mit 31 Teilnehmenden ist die Stichprobe klein, die Studie selbst nennt sich ausdrücklich „Machbarkeitsstudie" (Feasibility Study). Solche Pilotstudien prüfen in erster Linie, ob ein Ansatz überhaupt praktikabel ist und erste Effekte erkennen lässt – sie ersetzen keine grösser angelegte Folgestudie und lassen sich nicht unbesehen auf jede Branche oder Berufsgruppe übertragen.
- Fokus auf Sinn, nicht auf Symptome: Die Studie setzt nicht bei Stresssymptomen an, sondern direkt beim Erleben von Sinnhaftigkeit in der Arbeit – ein oft übersehener Hebel.
- Zwei kurze Sitzungen genügten für einen messbaren Unterschied beim sinnstiftenden Erleben, wenn auch mit den genannten Einschränkungen einer Pilotstudie.
- Engagement selbst brauchte länger: Die Effekte auf das Engagement (UWES-9) waren nur richtungsweisend, nicht signifikant – ein Hinweis darauf, dass Sinnerleben und Engagement zwar zusammenhängen, aber nicht identisch sind.
- Kleine Stichprobe, klare Grenzen: Für belastbare Aussagen braucht es grössere Folgestudien – die Autor:innen selbst benennen das offen.
Eine Pilotstudie zeigt keine Gewissheit, sondern eine Richtung, die eine grössere Untersuchung wert ist.
Fazit: ein Baustein, kein Wundermittel
Für HR und Führungskräfte liefert die Studie vor allem einen Denkanstoss: Massnahmen gegen geringes Engagement setzen oft bei Prozessen, Benefits oder Führungsverhalten an – der individuelle Sinnbezug zur eigenen Arbeit kommt dabei häufig zu kurz, lässt sich aber gezielt ansprechen. Unser Audio-Programm „Resilienz aufbauen" (29.90 €/CHF pro Person) unterstützt Mitarbeitende dabei, innere Klarheit und Widerstandskraft im Berufsalltag aufzubauen – als Ergänzung zu bestehenden BGM-Massnahmen, nicht als Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Für Teams, die das Thema gemeinsam angehen möchten, eignet sich zudem unser Live-Event als niederschwelliger Einstieg.
Quellen
- Meganingtyas, Y., Yuniarti, K. W., Jongsma, M. L. A., & A'yuninnisa, R. N. (2026). Feasibility and Preliminary Outcomes of Hypnosis to Enhance Meaningful Work Among Employees with Low Work Engagement: A Pilot Randomized Controlled Trial. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, veröffentlicht online 6. Juli 2026. DOI: 10.1080/00207144.2026.2678856 ; PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42406981/
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